Parkplatzsex

Es war ein schöner, warmer Sommertag. Die Sonne schien, die Vögelchen zwitscherten (usw.....) und alle waren gut gelaunt. Mit einer Ausnahme: Mir! Ich war genervt und gar nicht gut drauf. Trotzdem hatte ich mich nach der Arbeit ins Auto gesetzt und bin zu meiner damaligen Freundin Silke nach Sürth - einem Vorort von Köln - gefahren. Irgendwo in mir hatte ich wohl ein Fünkchen Hoffnung, dass mich Silke mit ihrer oft guten Laune und ihrer Energie anstecken würde. Pustekuchen! Bei Silke angekommen, musste ich schnell feststellen, dass Silke auch nicht viel besser drauf war als ich. Es kam, wie es in einer solchen Situation kommen muss. Wir hockten genervt in ihrem Zimmer, wußten nix zu sagen und zu tun und langweilten uns. Nachdem wir uns so eine zeitlang angeödet hatten, beschlossen wir, nach Rodenkirchen - noch'n Vorort von Köln - zu fahren um im "Adria" Eis essen zu gehen. Jetzt saßen wir uns im "Adria" mit großen Portionen Eis gegenüber, aber wußten immer noch nix mit uns anzufangen. Naja, zumindest war ein Anfang gemacht, und wir saßen schon mal nicht mehr in Silkes Zimmer. Silke schlug dann vor, dass wir in den Forstbotanischen Garten fahren sollten, um da ein bißchen spazieren zu gehen. Nun ja, ehrlich gesagt hatte ich dazu keine besonders große Lust, aber es war immer noch besser als bei Silke oder im "Adria" herumzuhocken.

Wir sind also mit meinem klapprigen R4 losgedüst, haben den Wagen auf dem Parkplatz des Forstbotanischen Gartens abgestellt und sind spazieren gegangen. Das war genau das Richtige, und meine Laune verbesserte sich zusehendst. Wir waren bestimmt zwei Stunden unterwegs, und als wir wieder auf dem Parkplatz ankamen, wurde es schon langsam dunkel. Mein Auto war das einzige auf dem großen Parkplatz und wir waren die einzigen Menschen weit und breit. Mitten auf dem Parkplatz fragte Silke mich, ob ich eigentlich Walzer tanzen könne? "Nöh, das hab ich nie gelernt", sagte ich ihr, und sie fand, dass es Zeit wäre, das zu ändern. Zuerst hab ich gebockt, und mich mächtig geziert, weil ich mich a) geniert habe in aller Öffentlichkeit auf einem Parklplatz Walzer tanzen zu lernen, und weil ich b) Standardtänze nicht mag. Silke hatte damit allerdings nix am Hut, meinte, dass ich mich nicht so anstellen solle, denn wir seien ja schließlich die einzigen Menschen auf dem Parkplatz, und außerdem würde es mir bestimmt Spaß machen. Ich war mir da nicht so sicher, ließ es aber auf einen Versuch ankommen. Silke zeigte mir die Grundschritte, Drehung links rum, Drehung rechts rum und nach einiger Zeit ging es, ohne große Verletzungen, schon ganz gut. Ehrlich gesagt machte es mir sogar richtig Spaß. So schwebten wir auf einem verlassenen Parkplatz zu Walzerrythmen in unserem Kopf in der Dunkelheit umher, bis ein Kleintransporter auf den Parkplatz gefahren kam und am anderen Ende rückwärts eingeparkt wurde, ohne dass jemand aus dem Wagen ausstieg.

Wir standen immer noch in der Mitte des Parkplatzes, hörten aber mit dem Tanzen auf, weil wir uns beobachtet fühlten, und es uns komisch vorkam, dass niemand aus dem Transporter gestiegen war. Wir haben uns daraufhin in mein Auto gesetzt und uns "unterhalten". Nach kurzer Zeit kam dann ein weiteres Auto auf den Parkplatz gefahren, wurde so weit weg wie möglich von meinem und dem anderen Wagen rückwärts eingeparkt und niemand stieg aus. Kurz darauf kam ein dritter Wagen, wurde rückwärts geparkt und wieder stieg niemand aus. "Häh, was ist hier denn los?", fragten wir uns und glotzten uns ungläubig an. Dann wurde "Blink, Blink" an dem Transporter die Lichthupe betätigt und der zuletzt gekommene Wagen blinkte zurück. Dann lag der Parkplatz wieder in völliger Dunkelheit und wir hörten nur das Klappen von Autotüren und Menschen, die aufeinander zugingen und miteinander flüsterten. Nach und nach kamen immer mehr Autos auf den Parkplatz und beteiligten sich an dem Geblinke. Türen klappten, irgendwelche Menschen trafen sich, flüsterten miteinander und fuhren - soweit wir das erkennen konnten - zusammen in einem Auto wieder weg. Jetzt ging unsere Fantasie mit uns durch, und fast jeder Krimi, den wir jemals gelesen oder gesehen hatten, rauschte durch unsere Köpfe. "Was war da los?" Wir waren auf jeden Fall total aufgeregt und hofften inständig, dass niemand zu unserem Auto kommen würde. Letzendlich sind wir zu Schluss gekommen, dass es sich hier um einen Drogenumschlagsplatz handeln müsse. Wir waren beide der Meinung, dass wir mitten in einen riesigen Deal geplatzt waren und wagten nicht, uns zu rühren. In unseren Köpfen nahmen immer neue Hirngespinnste Gestalt an, und wir konnten bereits die Belohnung für die Aufklärung einer Megastraftat in unseren Taschen klimpern hören. Die Detektive in uns waren also zu vollem Leben erwacht, und wir beschlossen, dass wir, wenn das nächste Auto den Parkplatz verlassen würde, diesem folgen würden, um noch mehr in Erfahrung zu bringen, was wir der Polizei mitteilen konnten. Gesagt, getan! Sobald der nächste Wagen den Parkplatz verließ, haben wir uns dahinter gehängt. Oh Mann, unsere Herzen schlugen uns bis zum Hals und ich versuchte - wie die Detektive in den Krimis - den Abstand so groß wie möglich zu halten. Puh, wer das noch nie gemacht hat, weiß nicht wie anstrengend das ist. Wir folgten dem Wagen ca. 5 KM auf der Militärringstrasse bis uns die Lust und der Mut verließ. Wir beschlossen nun endlich zur Polizei zu fahren, alles zu erzählen und denen die Möglichkeit zu geben, auf dem Parkplatz noch jemanden anzutreffen, den sie verhaften können.

Wir sind also zur Polizeistation nach Rodenkirchen gefahren. Ziemlich aufgelöst und stotternd habe ich begonnen, dem Polizisten hinter dem Tresen die Geschichte von Anfang an zu erzählen und ihm unsere Theorien zu erörtern, bis ich zu meinem Erstaunen feststellen musste, dass der Typ immer breiter zu Grinsen begann. Irgendwie kam ich mir verarscht vor. Wir, die größsten Detektive aller Zeiten, hatten ein Schwerverbrechen entdeckt, und der Typ grinst uns einfach nur blöd an und bemüht sich sichtbar, nicht in lautes Lachen auszubrechen. Ich wurde sauer und fragte den Polizisten, was denn so komisch sei. Er fragte uns daraufhin, ob wir denn wirklich keine Ahnung hätten, wo wir da gelandet seien. "Äähh,.......nööh", sagten wir ihm und baten ihn, uns doch bitte aufzuklären. "Tja", sagte er. "Ihr seid auf dem neuen Schwulenstrich von Köln gelandet, und die Zeichen mit den Lichthupen dienen nur zu einer ersten Kontaktaufnahme. Das ist alles. Aber trotzdem vielen Dank und wir wünschen uns, dass es mehr so aufmerksame Bürger gäbe." Oh Mann, war das peinlich! Wir standen zuerst völlig sprachlos und beschämt vor dem Bullen, bis auch wir die Komik der Geschichte und der Situation begriffen und ebenfalls lauthals lachen konnten.

Ich fand nun, dass das ein schöner und aufregender Tag war.
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